Unser Darm ist täglich zahlreichen weiteren Belastungen ausgesetzt: PFAS, Mikroplastik, Weichmacher, Zucker, Oxalate, Tenside, Zusatzstoffe, Medikamente und chronischer Stress können das Darmmikrobiom und die Darmbarriere beeinflussen.
Wir betrachten deshalb nicht nur, was wir essen, sondern auch, welchen Belastungen unser Darm im Alltag ausgesetzt ist.
PFAS – langlebige Chemikalien in unserer Umwelt
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von mehreren tausend künstlich hergestellten Chemikalien. Sie zeichnen sich durch besonders stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aus und sind deshalb wasser-, fett- und schmutzabweisend.
Genau diese Eigenschaften machen PFAS technisch interessant – und gleichzeitig zu einem Umweltproblem: Viele PFAS bauen sich nur sehr langsam ab und können über lange Zeit in der Umwelt verbleiben. Deshalb werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.
Wir begegnen PFAS unter anderem in Antihaftbeschichtungen, bestimmten Lebensmittelverpackungen, wasser- und schmutzabweisender Kleidung, Imprägniermitteln und verschiedenen technischen Produkten.
Besonders bekannt ist PTFE, das unter dem Markennamen Teflon bekannt ist und für Antihaftbeschichtungen verwendet wird. PTFE gehört chemisch zur PFAS-Gruppe. Bei bestimmungsgemäßer Verwendung sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung derzeit kein gesundheitliches Risiko für Verbraucher. Eine starke Überhitzung leerer PTFE-Pfannen sollte jedoch vermieden werden.
Auch über Lebensmittelkontaktmaterialien können PFAS aufgenommen werden. Sie wurden beispielsweise in bestimmten fett- und wasserabweisenden Papier- und Kartonverpackungen eingesetzt.
Unsere Einschätzung: PFAS gehören aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit zu den Stoffen, deren unnötige Aufnahme und Verwendung wir reduzieren möchten. Für uns geht es dabei nicht darum, jede PFAS-Quelle im Alltag vollständig auszuschließen, sondern dort auf Alternativen zu setzen, wo wir sie einfach wählen können.
Unser Lösungsansatz: Wir bevorzugen möglichst unverpackte Lebensmittel sowie Glas und Edelstahl zur Aufbewahrung. Bei Pfannen setzen wir bevorzugt auf Edelstahl, Gusseisen oder Emaille und reduzieren unnötige Antihaft- und fluorierte Beschichtungen. Auch bei Lebensmittelverpackungen achten wir auf möglichst einfache und unbeschichtete Materialien.
Teflonpfannen, Kunststoffgeschirr und Küchenhelfer
Nicht nur die Lebensmittel selbst können mit unerwünschten Stoffen in Kontakt kommen. Auch Pfannen, Dosen, Schüsseln, Schneidebretter, Kochlöffel und andere Küchenhelfer können Stoffe an unsere Lebensmittel abgeben.
Besonders relevant sind dabei Hitze, Fett, Säure, mechanischer Abrieb und lange Kontaktzeiten. Kunststoff sollte deshalb insbesondere nicht unnötig erhitzt oder für die langfristige Lagerung von fetthaltigen Lebensmitteln verwendet werden. Bei beschädigten oder stark zerkratzten Beschichtungen stellt sich zusätzlich die Frage, ob ein Austausch sinnvoll ist.
Unsere Einschätzung: Wir finden es sinnvoll, möglichst wenig Kunststoff und beschichtete Materialien direkt mit unseren Lebensmitteln in Kontakt zu bringen. Gerade in der Küche können wir viele dieser Kontakte sehr einfach vermeiden.
Unser Lösungsansatz: Wir bevorzugen Glas, Edelstahl, Gusseisen und Emaille für die Zubereitung und Aufbewahrung. Bei Küchenhelfern greifen wir bevorzugt zu Holz, Edelstahl oder anderen langlebigen Materialien. Kunststoff verwenden wir dort, wo er sinnvoll ist – aber möglichst nicht zum Erhitzen und nicht als dauerhafte Lagerung für warme oder fetthaltige Lebensmittel.
Mikroplastik: eine Belastung, die bis in den Darm gelangt
Mikro- und Nanoplastik gelangt über Lebensmittel, Wasser und Umwelt in unseren Körper. Untersuchungen zeigen mögliche Auswirkungen auf Darmmikrobiom, Schleimschicht und Darmbarriere.
Besonders relevant ist für uns die Tatsache, dass Kunststoff im Alltag häufig mit Lebensmitteln in Kontakt kommt und teilweise erhitzt wird.
Unsere Einschätzung: Unnötigen Kunststoffkontakt mit Lebensmitteln sollten wir vermeiden.
Unser Lösungsansatz: Glas oder Edelstahl zur Lagerung verwenden, Lebensmittel nicht in Kunststoff erhitzen und Einwegplastik reduzieren.
Weichmacher: Plastik kann chemisch mehr sein als nur Plastik
Phthalate und andere Weichmacher werden in zahlreichen Kunststoffprodukten eingesetzt. Sie können über Lebensmittel und Verpackungen aufgenommen werden.
Forschungsarbeiten zeigen Zusammenhänge mit Veränderungen des Darmmikrobioms und der Darmbarriere.
Unsere Einschätzung: Gerade weil Lebensmittel häufig über längere Zeit mit Verpackungen in Kontakt stehen, ist die Vermeidung unnötiger Belastungen sinnvoll.
Unser Lösungsansatz: Lebensmittel möglichst frisch kaufen, Kunststoffkontakt reduzieren und insbesondere bei fetthaltigen Lebensmitteln und Wärme auf geeignete Materialien achten.
Zucker: Nahrung für ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom
Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum kann die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verändern. Gleichzeitig kann eine zuckerreiche Ernährung mit Veränderungen der Darmbarriere und mikrobieller Stoffwechselprodukte verbunden sein.
Das Problem sehen wir vor allem im regelmäßigen und hohen Konsum von zugesetztem Zucker – insbesondere in Kombination mit stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Unsere Einschätzung: Eine darmfreundliche Ernährung sollte möglichst wenig zugesetzten Zucker und möglichst wenige hochverarbeitete Produkte enthalten.
Unser Lösungsansatz: Wasser statt zuckerhaltiger Getränke, natürliche Lebensmittel statt Süßigkeiten und Fertigprodukte und eine Ernährung mit ausreichend hochwertigen Ballaststoffquellen, sofern diese individuell vertragen werden.
Oxalate: Wenn pflanzliche Lebensmittel zum Problem werden können
Oxalate kommen natürlicherweise in zahlreichen Pflanzen vor, unter anderem in Spinat, Mangold und bestimmten Nüssen.
Sie sind nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend sind Menge, individuelle Stoffwechselsituation und Aufnahme im Darm. Besonders relevant ist Oxalat im Zusammenhang mit Calciumoxalat-Nierensteinen.
Auch das Darmmikrobiom kann beim Abbau von Oxalat eine Rolle spielen.
Unsere Einschätzung: Wir sollten pflanzliche Lebensmittel nicht pauschal als unproblematisch betrachten. Entscheidend ist die individuelle Verträglichkeit und die Gesamtmenge.
Unser Lösungsansatz: Bei entsprechender Empfindlichkeit oxalatreiche Lebensmittel reduzieren und Zubereitungsformen wie Kochen nutzen, die den Oxalatgehalt teilweise reduzieren können.
Spülmittel und Tenside: Was bleibt auf unserem Geschirr?
Tenside lösen Fett und Schmutz und sind deshalb zentrale Bestandteile von Spülmitteln und Klarspülern.
Eine experimentelle Studie zeigte, dass bestimmte Bestandteile von Klarspülern in Zell-, Organoid- und Darmchip-Modellen die Darmbarriere beeinträchtigen können.
Das bedeutet nicht automatisch, dass normales Spülen beim Menschen krank macht. Es zeigt aber, dass Rückstände von Reinigungsmitteln ein relevanter Faktor für die Darmbarriere sein können.
Unsere Einschätzung: Reinigungsmittel sollten so dosiert werden, dass möglichst wenig davon auf dem Geschirr zurückbleibt.
Unser Lösungsansatz: sparsame Dosierung, gründliches Nachspülen und bei empfindlichen Personen möglichst rückstandsarme Reinigungsprodukte.
Emulgatoren und Zusatzstoffe: Was industriell praktisch ist, muss für den Darm nicht neutral sein
Viele hochverarbeitete Lebensmittel enthalten Emulgatoren und andere Zusatzstoffe. Sie sorgen für Cremigkeit, Stabilität und eine gleichbleibende Konsistenz.
Für einige Emulgatoren gibt es experimentelle Hinweise auf Veränderungen des Mikrobioms, der Darmschleimhaut und der Darmbarriere.
Unsere Einschätzung: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto mehr Zusatzstoffe kommen häufig zusammen. Wir sehen deshalb einen klaren Vorteil in einer möglichst ursprünglichen Ernährung.
Unser Lösungsansatz: Lebensmittel mit kurzer Zutatenliste bevorzugen und stark verarbeitete Produkte reduzieren.
Stress: Der Darm reagiert auf unser Nervensystem
Der Darm und das Gehirn stehen über die Darm-Hirn-Achse in ständigem Austausch.
Chronischer Stress kann Darmbewegung, Darmbarriere, Immunreaktionen und Mikrobiom beeinflussen. Gleichzeitig können Veränderungen im Darm wiederum auf das Nervensystem zurückwirken.
Unsere Einschätzung: Chronischer Stress ist kein Nebenthema der Darmgesundheit. Er gehört zu den Faktoren, die wir genauso berücksichtigen müssen wie unsere Ernährung.
Unser Lösungsansatz: ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, bewusste Erholungsphasen und möglichst wenig dauerhafte Überlastung.
Gellan und andere Verdickungsmittel
Auch Verdickungs- und Geliermittel wie Gellan, Xanthan, Carrageen, Guarkernmehl oder Johannisbrotkernmehl können für die Darmgesundheit relevant sein. Sie werden eingesetzt, um Lebensmitteln eine bestimmte Konsistenz zu geben und Produkte zu stabilisieren. Einige dieser Stoffe können im Darm mit dem Mikrobiom und der Darmschleimhaut interagieren. Die wissenschaftliche Datenlage ist dabei je nach Stoff sehr unterschiedlich und lässt sich nicht pauschal auf alle Verdickungsmittel übertragen.
Unsere Einschätzung: Je mehr hochverarbeitete Lebensmittel wir essen, desto häufiger nehmen wir gleichzeitig verschiedene technologische Zusatzstoffe auf. Für uns ist deshalb nicht der einzelne Zusatzstoff das Problem, sondern die Summe und die dauerhafte Aufnahme vieler solcher Stoffe.
Unser Lösungsansatz: Wir bevorzugen Lebensmittel mit wenigen, natürlichen Zutaten und reduzieren Produkte, die eine lange Liste an Verdickungsmitteln, Stabilisatoren, Emulgatoren und anderen Zusatzstoffen enthalten. Gerade bei einem empfindlichen Darm kann es sinnvoll sein, einzelne Zusatzstoffe gezielt zu reduzieren und die individuelle Reaktion zu beobachten.
Was passiert, wenn die Darmbarriere beeinträchtigt wird?
Die Darmbarriere hat eine zentrale Schutzfunktion. Sie entscheidet mit darüber, welche Stoffe aus dem Darminhalt in unseren Körper gelangen.
Wird diese Barriere beeinträchtigt, können sich die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, Immunreaktionen und Entzündungsprozesse verändern.
Parallel kann sich das Darmmikrobiom verändern.
Genau deshalb betrachten wir Darmgesundheit nicht isoliert.
Ein gestörtes Darmmilieu kann weit über die Verdauung hinausreichen.
Das Mikrobiom steht unter anderem mit Immunsystem, Stoffwechsel und Nervensystem in Verbindung. Deshalb ist für uns die Stabilität des gesamten Darmökosystems entscheidend.
Unser Ansatz für eine gesunde Darmumgebung
Wir setzen deshalb nicht nur bei einzelnen Lebensmitteln an.
Unser Ansatz besteht aus mehreren einfachen Grundprinzipien:
1. Lektine reduzieren/vermeiden
2. Hochverarbeitete Lebensmittel und zugesetzten Zucker reduzieren.
3. Kunststoffkontakt mit Lebensmitteln minimieren.
4. PFAS und unnötige chemische Belastungen im Alltag reduzieren.
5. Weichmacherquellen vermeiden, wo es einfach möglich ist.
6. Auf Spülmittel- und Tensidrückstände achten.
7. Zusatzstoffe und Emulgatoren durch eine möglichst ursprüngliche Ernährung reduzieren.
8. Oxalatreiche Lebensmittel bei entsprechender individueller Empfindlichkeit berücksichtigen.
9. Chronischen Stress und Schlafmangel reduzieren.
Damit verändern wir nicht nur einzelne Mahlzeiten. Wir schaffen ein Umfeld, in dem Darmbarriere und Mikrobiom ihre Aufgaben besser erfüllen können.
Das Potenzial eines gesunden Darms
Ein gesunder Darm ist weit mehr als eine funktionierende Verdauung.
Das Darmmikrobiom produziert wichtige Stoffwechselprodukte, beeinflusst das Immunsystem und steht in engem Austausch mit unserem Stoffwechsel und unserem Nervensystem.
Die Darmbarriere schützt unseren Körper vor unerwünschten Stoffen und ermöglicht gleichzeitig die Aufnahme von Nährstoffen.
Deshalb sehen wir Darmgesundheit als eine Grundlage für den gesamten Organismus.
Wenn wir den Darm gesund erhalten oder wieder ins Gleichgewicht bringen wollen, reicht es aus unserer Sicht nicht, nur auf ein einzelnes Lebensmittel oder einen einzelnen Stoff zu schauen.
Wir müssen die gesamte Belastung des Darms betrachten.
Lektine sind ein Teil davon. PFAS, Mikroplastik, Weichmacher, Zucker, Oxalate, Tenside, Zusatzstoffe und Stress sind weitere.
Genau hier setzen wir an: Belastungen reduzieren, die Darmbarriere schützen und dem Darm die Bedingungen geben, unter denen ein gesundes Mikrobiom funktionieren kann.
*Unsere Anmerkung zu Xanthan: Xanthan nimmt für uns eine besondere Stellung ein. Wir setzen Xanthan gezielt in einigen unserer Produkte ein, weil wir es aufgrund seiner Eigenschaften als präbiotisch bzw. als Substrat für bestimmte Darmbakterien betrachten. Damit unterscheidet es sich für uns von vielen anderen technologischen Zusatzstoffen. Entscheidend ist für uns nicht, Zusatzstoffe grundsätzlich zu vermeiden, sondern ihre Funktion und ihre Wirkung auf den Darm zu betrachten. Deshalb ist Xanthan bewusst unsere Wahl, wenn wir für ein Produkt eine geeignete Bindung oder Konsistenz benötigen.


